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Der Weilberg im Dürkheimer Michel Sommer 2006

In der heutigen Terroir-Reihe des Dürkheimer Michels geht es um den Ungsteiner Weilberg, der zusammen mit Nußriegel und Herrenberg die Großlage Honigsäckel bildet.

Von Bad Dürkheim aus besucht man den Weilberg am besten auf einer Wanderung von der Michaeliskapelle des Michelsberg gerade nach Norden über den Ungsteiner Herrenberg um dann am südlichen Ende des Weilbergs anzukommen. Auf dieser Strecke mit herrlichem Fernblick über die Rheinebene ist ein markanter Punkt des Weilbergs das rote Dach der etwa 2000 Jahre alten Römerkelter. Die Anlage wurde während der Flurbereinigung 1981 freigelegt und teilrestauriert.

Auf den zweiten Blick fällt vor allem im Frühjahr wenn die Laubwände nicht so hoch stehen die rötliche Farbe der Böden auf. Spätestens jetzt wird klar warum der Weilberg schon in antiker Zeit eine geschätzte Lage war. Nördlich von Michels- und Herrenberg wird die Erde immer roter. Das Geheimnis dieser „Terra Rossa“, Roten Erde ist Eisenoxid (Fe2O3) das im Tertiär einer Zeit als das Meer unseren Kontinent freigab neben Kalk und anderen Mineralien an die Oberfläche trat. Rotes Eisenoxid kommt im Weilberg, vor allem im westlich liegenden Teil mit einem Gehalt von ca. drei Prozent im Boden vor und führt in etwa 30cm Tiefe zu einer extrem rötlichen Verfärbung.

Betrachtet man die Böden des Weilbergs im Ganzen erscheinen Sie vielfältig. Am östlichen Hang mit Südneigung unter- und oberhalb der Römerkelter sind die Weinberge stark von der Sonne begünstigt, die Böden werden aber wegen des dort vorherrschenden wasserdurchlässigen Kies schneller trocken. Die Wasserspeicherung ist im oberen Hangbereich besser als in der Ebene. Nach Westen hin ist der Hang stärker südwestlich exponiert wodurch die Sonneneinstrahlung geringer wird, dafür finden sich im Boden aber wasserspeichernde Tonmimerale, so dass auch trockenere Zeiten gut überstanden werden. Die Böden des Weilbergs sind aber durchgängig von Lehm, Kalk und Löß geprägt und die Trauben kommen, frostfreie Frühjahr vorausgesetzt in allen Lagen des Weilbergs durchweg zu einer guten Reife.

Sensorisch gesehen sind die Weine des Weilbergs, bei niedrigen Erträgen versteht sich, von hoher Mineralität was manch Pfälzer mit dem Prädikat „a maul voll Woi“ belegt. Die Kombination aus Mineralität und den leicht alkalischen kalkgeprägten Böden lässt vor allem die Rieslinge mit reifer aber trotzdem pikanter Säure auftreten. Im Aroma präsentiert sich der Riesling, wahrscheinlich durch den Eisenoxidanteil der Böden bei entsprechender Vinifikation nicht nur mit exotischer Frucht sondern bringt auch das gewisse Maß an Würzigkeit, wodurch der Riesling neben seiner Verspieltheit auch Kraft und Tiefe erlangt. In diesem Sinne lässt sich natürlich eine Wanderung zum Weilberg mit einer anschließenden Einkehr in eine der zahlreich vertretenen Weinstuben verbinden um sich vor Ort vom „Maul voll Woi“ zu überzeugen.

Ihr Steffen Michler